Mut, Kraft und Weiblichkeit

Die Anthologie mit dem Titel „Mut, Kraft, Weiblichkeit“ vereint Texte von elf österreichischen AutorInnen. Sie wurden in Beziehung zum Verlagsnamen geschrieben.

AutorInnen der Texte sind:
Renate Aichinger, Thomas Ballhausen, Natascha Gangl, Hermann Niklas, Philipp Röding, Wolfgang Hermann, Maria Seisenbacher,

Andreas Stangl, Sophie Reyer, Andrea Stift und Alexander Micheuz.

Die Illustrationen stammen von Matthias Schmidt, die Fotoarbeiten von Bernadette Schiefer. Gestaltet wurde das Buch von Josef Fürpaß.
Die handgenähten Stoffsäckchen wurden von Martina Pichler produziert.


"Yara" bedeutet in sieben Sprachen: Geliebte (türkisch), Wunde (kurdisch), Wald (hebräisch),

kleiner Schmetterling (Libanon), Frau, Herrin (Tupi), Göttin des Wassers (Amazonasgebiet), Kraft, Stärke (Farsi).

Die Texte stellen vor allem eine neue Weiblichkeit "Female Power" und junge Vielfalt in den Fokus.


Die Präsentation der Anthologie erfolgte am 7. Oktober 2011 im Café Parks, Graz. Im November 2011 gab es eine Lesung mit dem Musiker Düzgün Celebi im Café Phil, Wien.

 

Bernadette Schiefer (Hrsg.): Mut, Kraft, Weiblichkeit. Eine Anthologie.
// Verlag Yara Edition // ISBN 978-3-9503202-0-6 // 70 Seiten // 155 x 218 MM// Hardcover // handgebunden // 25. 00 Euro // Oktober 2011


Die Anthologien sind handgebunden sowie broschiert erhältlich.

Preise: handgebunden mit Stoffsäckchen: 25 Euro; brosch.: 12 Euro


 


 

 

„Аз und tú“  (Lyrik)  von Zwetelina Damjanova

 Irgendwann, als sie zu schreiben begann, habe sie unbewusst die deutsche Sprache für ihre Texte gewählt, so Zwetelina Damjanova. Neben dem Deutschen sind Bulgarisch und Spanisch zwei weitere Sprachen, die sie auch zu ihren Muttersprachen zählt. Die Texte erzählten sich in diesen Sprachen quasi wie von selbst: aber dies nur sehr zögerlich. So schrieb Zwetelina Damjanova sonst immer Texte, die sich mit ihrem kulturellen Hintergrund, mit der Erfahrungen der Kindheit auseinandersetzten auf Bulgarisch, Liebesgedichte entstanden auf Spanisch und gegenwartsbezogenen Themen war das Deutsche vorbehalten.

 „Diese Grenzen standen zwischen den Inhalten und Sprachen, so, als ob sie sich diese selbst auferlegt hätte. Bis ich mir einmal erlaubte, das zu tun was ich in meinem Alltagsleben auch tue: die Sprachen zu mischen.“ 

Wenn die Gedanken in verschiedenen Sprachen kommen, muss man sie übersetzten, um einen sprachlich einheitlichen Text formen zu können. In dieser Form entstanden die ersten mehrsprachigen Texte, die nicht mehr Rücksicht darauf nehmen, wer sie liest.

 „Ich glaube, dass der Leser trotzdem immer zum Inhalt finden kann, über den Sprachklang, über die grafische Darstellung. Es sind andere Zugangsweisen, die nicht weniger direkt sein müssen, als die gewohnte Art des Lesens und Verstehens über die sprachliche Kompetenz.“

Den Kern des vorliegenden Gedichtbandes bilden siebenundzwanzig Texte, die in Bulgarisch, Spanisch und Deutsch geschrieben wurden. Die Texte bestehen aus drei Strophen zu je drei Versen, wobei jede Strophe in einer anderen Sprache geschrieben wurde. Danach wurde je eine Strophe in eine der drei Sprachen übersetzt.  Das heißt, dass jedes Gedicht auch nur in einer Sprache oder in zwei Sprachen gelesen werden kann.

 „Zu Beginn wollte ich die Grenzen der Sprachen verschwimmen lassen, sie sogar aufheben, nicht nur auf dem Papier, sondern auch in meinen Schreibimpulsen. Ich bin mit diesen drei Sprachen aufgewachsen und habe beim Schreiben bis dahin immer das Gefühl gehabt, eine Wahl treffen zu müssen, in welcher Sprache ein Text entstehen wird. Bei diesem Projekt habe ich mir die Freiheit genommen, alle drei Sprachen zu verwenden, so wie ich es auch im Leben tue.“

 Die Übersetzung der Texte stellt eine weitere Auseinandersetzung mit den Sprachgrenzen dar. Sie eröffnet die Möglichkeit, zwischen den Sprachen zu lesen. Der Leser kann sich zwischen den Kulturen, den Emotionen, die durch die unterschiedlichen Sprachen entstehen,  bewegen, auch wenn er den Text nur in einer Sprache liest. Letztendlich steht hinter diesem Projekt auch der Versuch, aus den drei sprachlich verschiedenen Teilen ein einziges Gefüge entstehen zu lassen,

 

„das sich der Entscheidung widersetzt und lieber alles in sich aufnimmt, alles gültig sein lässt.“   Denn:

 „Die Mischung aus allen drei Sprachen ist eine weitere, mögliche vierte Dimension, in der das Leben stattfindet.“

 

Der Dichter Semier Insayif schreibt in seinem Vorwort „über poesie und ihre setzungen“:

 der hier versammelten gedichte zelebrieren lust, schmerz und leidenschaft der liebe, wie die geheimnisvolle sinnlichkeit jedes sprach- und sprechaktes selbst.  (…)

 

sprachverlust und sprachaneignungszeremonien lassen ihre blicke auf mund, finger, stimm und speichelschatten von wörtern, sätzen, sprachen und körpern fallen. ob sie die haut des geliebten anderen oder eines nächsten lautes entdecken ist ein geheimnis. ein zartes, aber auch ein gefeiertes, ein bis auf die haarwurzel vibrierendes und erdiges geheimnis.

 

 Die siebenundzwanzig Gedichte Zwetelina Damjanovas lassen sich auch als einziges Gedicht lesen. Als Botschafter von „verlust, sehnsucht und ekstatischem zittern“.

 

Mit diesem Gedichtband ist der Dichterin und Übersetzerin Zwetlina Damjanova gelungen, Dicht, Sprach- und Übersetzungskunst auf eindrucksvolle Weise miteinander zu vereinen.

Alle verwendeten Zitate stammen von Zwetelina Damjanova, Wien 2010

 

 

Zwetelina Damjanova: „Аз und tú“ (Lyrik) // Verlag Edition Yara // ISBN 978-3-9503202-1-3 //  96 Seiten // Broschurbindung // handgebunden // Umschlag brauner Karton//

 

Leseprobe:

Проговарям

Zu sprechen beginnen

 

La miel se vuelve caramelo oscuro. 

Atrapas mis manos, voz lejana,

caes del este sobre mis muñecas.



Der Honig wird zu dunklem Karamell.

Fängst meine Hände ein, ferne Stimme,

aus dem Osten fällst du auf meine Hände.


 

Кротко те чакам, мой глас, таен   

чакам те, както се чака дете  

и ето прокапваш, проточваш се сладко   

Ruhig warte ich auf dich, meine heimliche Stimme,

ich warte auf dich, wie man auf ein Kind wartet,

und siehe da, du tröpfelst, du streckst dich süß

  und bitterst an der Haut, in den

Krümmungen der Worte, verklebst das

Rad der Tagnächte und Nachttage.

 

Kurzbio:

 

Zwetelina Damjanova ist 1979 in Sofia, Bulgarien geboren. Seit 1987 lebt sie in Wien und ist als Autorin und Übersetzerin tätig. An der Universität Wien hat sie Romanistik und vergleichende Literaturwissenschaft studiert.
Seit 2009 ist sie Geschäftsführerin des Vereins „Wirtschaft für Integration“. Sie gründete 1998, mit einigen der jungen Autoren aus der Grazer Literaturwerk-statt die „Junge Literaturwerkstatt Wien“. Sie hat Lesungen gehalten in Wien, Graz, Frankenburg, Leipzig, Nationalrundfunk Sofia, Radio Rosario, Argentinien und in der Schweiz. Zwetelina Damjanova erhielt den ersten Preis für Lyrik beim Literaturwettbewerb „Schreiben zwischen den Kulturen '98”, sowie den ersten Preis beim „Jugend-Literaturwettbewerb Berlin 2002“ und den dritten Preis für Lyrik im Rahmen des internationalen Wettbewerbes für Poesie und Prosa „Nuevo Ser“ in Buenos Aires 2004. Sie veröffentlichte in Anthologien und Literaturzeitschriften in Österreich, Deutschland, Argentinien und Mexiko. Letzte Veröffentlichung: „Das binäre Leben“ in: Wienzeilen, Die interkulturelle Anthologie, Hrsg. Niemann, Fritz, Verlag Bibliothek der Provinz, 2009.

 

 

 


 

Anders als“ (Lyrik)  von Arild Vange

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Übersetzt aus dem Norwegischen von Andrea Dobrowolski, mit Illustrationen von Josef Fürpaß.  

Leichte, melancholische- ironisch und abgrundtief  weise  Prosagedichte, die in den Sprachen wie den Bildern wechseln,  sich selbst  dabei nie auf die Spur kommen.
 
We are now ready to be suspicious