Windhauch / Faces of Love:

 

 

 

Windhauch / Faces of Love

Texte: Bernadette Schiefer

Komposition: Andreas Praßl

Stimmen: Bernadette Schiefer (1, 3, 4, 8, 9, 11, 12) und Michael Brantner (2, 5, 6, 7, 10, 13)

Musikduos:

(1-6) Helmut Lenardt: Gitarre Andreas Praßl: Bandoneon
(7-13) Judith Weinzödl: Violine Andreas Praßl: Harmonium, Klavier

Tontechnik: Michael Brantner, Heimo Knopper

Covergestaltung: Josef Fürpaß

ISBN: 978-3-9503202-4-4 © der Texte und Kompositionen bei den MusikerInnen und AutorInnen

Kaufpreis 20 Euro

Bestellungen hier

Link zur Vorstellung der CD im Radio Helsinki, "Hohrch: Das Rote Mikro", eine Sendung von Barbara Belic und Max Höfler.

http://helsinki.at/programm/22054


Textproben:

 

Abschied 

 

Ein Mann ist in der Wüste. Die Wüste ist schwarz, kohlschwarz. An den Bäumen hängen Schädeln wie Äpfel, und der Himmel ist blau wie in den Bildern Dalís. Die Frau wird aus einem Granatapfel geboren. Sie steigt aus dem Granatapfel und geht auf den Mann zu. Seine Haut ist weiß und ungesund, sein Gesicht ist eine Maske. Die Frau spuckt Körner vor die Füße des Mannes. Sie küsst die Zehen des Mannes, die rot lackiert sind. Gott ist ein Prinz, der die Lippen des Mannes mit einer Blume streift. Die Frau steigt in den Bauch des Mannes. Im Bauch des Mannes ist es heiß, und die Wände sind weich wie aus Watte. Im Bauch des Mannes bläst die Frau in ein Horn. Der Mann nimmt die Hand der Frau. Die Hand des Mannes ist ein Vogel, der die Samen vom Leib der Frau pickt. Sie fliegen mit den Raben um die Sonne. Die Sonne ist weich und warm und ihr Licht schadet nicht. Sie sind höher als die Wolken und schneller als die Luft. Sie sind Schatten, unendliche Formen. Der Mann fliegt gegen die Sonne und verschmilzt mit ihr. Die Frau fliegt alleine. Die Frau fliegt wie ein Schatten. Alles ist edel, weich und gut. Es ist ein neuer Tag.

 

Ich gehöre der Nacht

Ich gehöre der Nacht. Ich gehöre der Dunkelheit.

Ich gehöre den flüsternden Schatten, dem kichernden Mond, dem weißen Leuchten des Schnees.

Ich gehöre dem traurigen Flüstern der Wolken.

Ich gehöre der Lautlosigkeit des Windes, dem stillen Funkeln des Meeres, der letzten Ruhe eines vergessenen Sees. 

Ich gehöre den lautlosen Melodien unruhiger Vögel.

Ich gehöre dem Sand, der sich zu Wüstenbergen wirft, dem Meer, das sich in Regentropfen bricht, dem Fluss, der sich durch Täler windet.

Ich gehöre dem Glanz des Morgens, dem jubelnden Wind, dem unsterblichen Meer.

Ich gehöre dem letzten Atemzug des Lichts.

Dankbar bin ich für die Luft

/ und den rufenden Berg.